Einfach nur Anzeigen schalten reicht nicht mehr

Interview aus der "Wirtschaft in Mainfranken": Für immer mehr Unternehmen wird der Fachkräftemangel zum ernsthaften Konjunkturrisiko. Vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen (KMUs) tun sich oft schwer damit, an qualifiziertes Personal zu kommen. WiM hat mit Simon Klingenmaier darüber gesprochen, was KMUs tun können, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

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»Wichtig ist es, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe auf neuen Wegen zu bekommen.« Simon Klingenmaier

 

Simon Klingenmaier ist Personaler, Lehrbeauftragter für Personalmanagement und Recruiting an der FHWS und Vertreter des HR-Netzwerks Mainfranken. Er sagt: „Aktuell suchen alle Branchen händeringend nach Fachkräften. Wer es nicht schafft, die Aufmerksamkeit der Kandidatinnen und Kandidaten zu bekommen, der hat oft das Nachsehen und der Bewerbungseingang bleibt leer.“

WiM: Herr Klingenmaier, wie beurteilen Sie die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt? Haben wir inzwischen statt eines Arbeitgebermarkts einen Arbeitnehmermarkt, sprich: Auf einen Bewerber mehrere Stellen?

Klingenmaier: Wir haben schon seit einigen Jahren einen Arbeitnehmermarkt und sprechen deshalb auch nicht mehr von Bewerberinnen und Bewerbern, sondern von Kandidatinnen und Kandidaten. Die Situation verschärft sich aufgrund des demografischen Wandels allerdings von Jahr zu Jahr. Qualifizierte Fachkräfte gehen in Rente und immer weniger junge Fachkräfte rücken nach. Durch die Verschiebung des Renteneintrittsalters oder durch gezielte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften kann dieser Rückgang des Fachkräftepotenzials nur leicht abgemildert werden.

WiM: Inwiefern unterscheidet sich die Situation in KMUs von der Situation in größeren Unternehmen? Haben die Großen Vorteile? 

Klingenmaier: Die großen Unternehmen mit bekannten Markennamen haben aktuell schon einen Vorteil, wobei auch dort die Anzahl der Bewerbungen zurückgeht. KMUs, die keine bekannte Marke haben, müssen deutlich mehr tun, um diese Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie müssen Fachkräfte also aktiv ansprechen. Dabei geht es nicht mal so sehr um Budgets. KMUs können häufig mit Kreativität und mit interessanten Köpfen punkten und sich positionieren.

Wichtig ist es, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe auf neuen Wegen zu bekommen. Einfach nur Anzeigen schalten und ab und an etwas posten reicht nicht mehr.

WiM: Was können KMUs tun, um ihre Attraktivität gegenüber potenziellen Bewerbern zu steigern – Stichwort „Employer-Branding“?

Klingenmaier: Neben direkter Ansprache, digitaler Reichweite, aber auch Sichtbarkeit in Alltag und Freizeit spielen Employer-Branding und Benefits eine wichtige Rolle. Es geht darum, Benefits zu bieten, die den Unterschied machen. Nur Obstkorb, kostenlose Getränke und Firmenevents reichen schon lange nicht mehr. Darüber hinaus sind für einen Wechsel allerdings auch Ruf und Spirit des Unternehmens, die handelnden Personen, die eingesetzten Technologien und auch die Produkte und Services, die am Ende herauskommen, entscheidend. Purpose wird dabei großgeschrieben.

WiM: Welche Rolle spielt dabei eine Employer-Branding-Strategie? Wie sollte diese aussehen?

Klingenmaier: Es geht darum, das nach außen zu zeigen, was für die Zielgruppe interessant ist und was das Unternehmen attraktiv macht. Dabei sollte das Unternehmen möglichst authentisch dargestellt werden und gezeigt werden, was vorhanden ist. Eine Marketingfassade aufzubauen, macht gerade in der heutigen Zeit mit Social-Media und Bewertungsplattformen wenig Sinn. Besonders effektiv sind Bilder und Statements von echten Mitarbeitenden und Eindrücke aus dem Arbeitsalltag.

WiM: Die sozialen Medien spielen beim Thema „Employer-Branding“ eine zentrale Rolle. Was sollten Unternehmen dort beachten? 

Klingenmaier: Die sozialen Medien schaffen Sichtbarkeit und Reichweite. Diese wird durch bezahlte und zielgruppenspezifische Kampagnen, aber vor allem durch die eigenen Mitarbeitenden erreicht. Wenn das eigene Team zum Inhalt der Kampagnen gemacht wird und die Beiträge dann auch noch liked und teilt, dann bringt das unbezahlbare organische Reichweite.

WiM: Nach und nach rückt die Generation Z, kurz GenZ, auf den Arbeitsmarkt vor. Darunter versteht man alle zwischen 1995 und 2010 Geborenen. Auf was müssen Unternehmen besonders achten, um diese Gruppe zu erreichen?

Klingenmaier: Erreicht wird die Zielgruppe in erster Linie digital. Die GenZ legt auf ganz andere Dinge Wert. Work-Life-Balance, Sinn und Werte, Kommunikation und interessante Aufgaben stehen ganz weit oben. Aufgrund des aktuellen Arbeitnehmermarkts ist die Zielgruppe aber auch bei der Entlohnung und weiteren Modalitäten anspruchsvoll. Allerdings wird Arbeit bei vielen nicht als das alleinig Erfüllende angesehen. Das stößt häufig bei älteren Generationen auf Unverständnis.

WiM: Abschlussfrage: Sie arbeiten bei der Würzburger ISO-Gruppe, einem Softwareunternehmen. Was unternehmen Sie, um an gut qualifizierte IT-Fachkräfte zu kommen?

Klingenmaier: Eigentlich so ziemlich alles, über was wir vorher so gesprochen haben. Darüber hinaus engagieren wir uns stark in der Region an den Hochschulen und positionieren den IT-Standort Mainfranken gemeinsam mit den anderen Mitgliedsunternehmen im IT-Verband Mainfranken.

WiM: Herr Klingenmaier, vielen Dank für das Interview.

 

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